Kältepunkt Funtensee
im Nationalpark Berchtesgaden
Temperaturen am Funtensee
Die bodennahe Luft kühlt sich durch die nächtliche Ausstrahlung ab. Weil kalte Luft schwerer ist als warme Luft, fließt sie hangabwärts und sammelt sich in Senken wie der Funtenseemulde. Je mehr Kaltluft sich ansammelt, desto kälter wird es.
Folgende Voraussetzungen müssen zusammentreffen, damit die Temperaturunterschiede sehr groß werden:
Die Senke muss möglichst tief sein. Die Funtensee-Doline ist bis zum niedrigsten Abflusspunkt Richtung Saugasse/Königssee ca. 75 m hoch und in dieser Höhe 72 ha groß (KONNERT 2004:7).
Die nächtliche Abkühlung darf nicht durch Winde, Wolken oder Nebelfelder behindert werden.
Direkt über oder an der Schneegrenze können sich sehr tiefe Temperaturen einstellen (SCHÖNWIESE 2003:158)
Die abgekühlte Luft kann über die glatte Schneedecke fast ungehindert in die Senke abfließen
Der Funtensee ist im Winter zugefroren. Sein Wasserkörper kann deshalb auch nicht temperaturausgleichend wirken In größeren Höhen kann es wegen der geringeren Luftdichte zu größeren Abkühlungsraten kommen
Hinweis
In einer schneeausgekleideten Doline bei Lunz (Österreich) sind schon um das Jahr 1930 Tiefsttemperaturen von – 48° C, später von –50° C gemessen worden (SCHMIDT 1930, zitiert in BLÜTHGEN & WEISCHET 1980). Diese Tiefsttemperaturen sind nicht abhängig von dem thermischen Gesamtcharakter des Winters (BLÜTHGEN & WEISCHET 1980) und haben damit keinen aktuellen Aussagewert für die Fernsehzuschauer in München oder Hamburg.
Der Temperaturverlauf am Funtensee wurde vom Sachgebiet Klimahydrologie der Nationalparkverwaltung statistisch ausgewertet. Die Auswertungen werden demnächst hier eingestellt.
Literatur:
BLÜTHGEN, J. & W. WEISCHET (1980): Allgemeine Klimageographie. 3. neu bearbeitete Auflage. Walter de Gruyter. Berlin, New York.
KONNERT, V. (2004): Standortkarte Nationalpark Berchtesgaden. Forschungsberichte 49. Herausgegeben von der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden.
SCHÖNWIESE, C.-D. (2003): Klimatologie. 2. Auflage. UTB 1793. Ulmer Verlag.

